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Oberlandesgericht Bremen, Beschluss vom 24.11.2017
4 UF 61/17 -

Verstoß gegen Umgangsregelung durch verweigerte Herausgabe der Reisepässe der Kinder begründet Schadens­ersatz­anspruch des Umgangsberechtigten

Notwendige Beauftragung eines Rechtsanwalts

Verweigert ein Elternteil die Herausgabe der Reisepässe der minderjährigen Kinder und liegt darin ein Verstoß gegen eine vor Gericht getroffene Umgangsregelung, kann dem umgangsberechtigten Elternteil ein Schadens­ersatz­anspruch zustehen. Der Schaden kann etwa darin liegen, dass die Beauftragung eines Rechtsanwalts notwendig war. Dies hat das Oberlandesgericht Bremen entschieden.

Dem Fall lag folgender Sachverhalt zugrunde: Die getrennt lebenden Eltern einer zwölfjährigen und neunjährigen Tochter trafen im April 2016 vor dem Amtsgericht Bremerhaven eine Umgangsregelung, wonach für die Sommerferien 2016 galt, dass die Kindesmutter mit den Kindern in der 1. Hälfte der Ferien für drei Wochen in die Türkei reisen durfte. Im Anschluss daran durfte der Kindesvater die Kinder dort abholen und ebenfalls für drei Wochen mit den Kindern in der Türkei verbringen. Zwar kam es wie verabredet zur Übergabe der Kinder. Jedoch verweigerte die Kindesmutter beharrlich die Herausgabe der Pässe der Kinder. Sie verlangte zunächst die Bezahlung eines Betrags von 400 EUR. Der Kindesvater ließ sich aber nicht erpressen und beauftragte in der Türkei einen Rechtsanwalt mit der Passherausgabe. Die dadurch entstandenen Kosten sowie die Kosten für Übersetzungen in Höhe von insgesamt ca. 711 EUR verlangte der Kindesvater von der Kindesmutter als Schadensersatz zurück.

Amtsgericht wies Antrag auf Schadensersatz zurück

Das Amtsgericht Bremerhaven wies den Antrag, gerichtet auf Zahlung von Schadensersatz, zurück. Dagegen richtete sich die Beschwerde des Kindesvaters.

Oberlandesgericht bejaht Schadensersatzanspruch

Das Oberlandesgericht Bremen entschied zu Gunsten des Kindesvaters und hob daher die Entscheidung des Amtsgerichts auf. Dem Kindesvater stehe gemäß einer entsprechenden Anwendung des § 280 Abs. 1 BGB der geltend gemachte Schadensersatzanspruch zu, da die Kindesmutter gegen die getroffene Umgangsregelung verstoßen und dadurch eine familienrechtliche Schutzpflicht aus § 1684 BGB verletzt habe. Bei der Gewährung des Umgangs sei auf die Vermögensbelange des Umgangsberechtigten Rücksicht zu nehmen. Diesem dürfe die Wahrnehmung seines Umgangsrechts durch die Auferlegung unnötiger Vermögensopfer nicht erschwert oder für die Zukunft nicht verleidet werden.

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© kostenlose-urteile.de (ra-online GmbH), Berlin 08.03.2018
Quelle: Oberlandesgericht Bremen, ra-online (vt/rb)

Vorinstanz:
  • Amtsgericht Bremerhaven, Beschluss vom 04.04.2017
    [Aktenzeichen: 152 F 23/17]
Aktuelle Urteile aus dem Familienrecht | Schadensersatzrecht
Fundstellen in der Fachliteratur: Zeitschrift: NJW-Spezial
Jahrgang: 2018, Seite: 36
NJW-Spezial 2018, 36

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Dokument-Nr.: 25625 Dokument-Nr. 25625

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