wichtiger technischer Hinweis:
Sie sehen diese Hinweismeldung, weil Sie entweder die Darstellung von Cascading Style Sheets (CSS) in Ihrem Browser unterbunden haben, Ihr Browser nicht vollstndig mit dem Standard HTML 5 kompatibel ist oder ihr Browsercache die Stylesheet-Angaben 'verschluckt' hat. Lesen Sie mehr zu diesem Thema und weitere Informationen zum Design dieser Homepage unter folgender Adresse:   ->  weitere Hinweise und Informationen


Werbung

kostenlose-Urteile.de
Samstag, 25. September 2021

kostenlose-urteile.de ist ein Service der ra-online GmbH


Bitte geben Sie Ihren Suchbegriff für die Urteilssuche ein:
unsere Urteilssuche



Logo des Deutschen Anwaltsregister (DAWR)

BewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungsstern5/0/5(1)
Hier beginnt die eigentliche Meldung:

Amtsgericht München, Urteil vom 14.06.2021
854 Ls 243 Js 123347/21 -

Reuebekundungen verlieren durch Wiederholung an Wirkung

AG München verurteilt Mann wegen wiederholtem Raubüberfall

Das Amtsgericht München hat einen 39jährigen aus Deggendorf wegen Raubes in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt.

Der Angeklagte räumte vor Gericht ein, dass er am 12.03.2021 gegen 15.20 Uhr auf einem Platz in Neuhausen die Handtasche der von ihm verfolgten 87jährigen Geschädigten mit Einkäufen und deren Geldbeutel mit mindestens 95 Euro Bargeld sowie diversen Dokumenten zunächst von hinten wegzureißen versucht hatte. Der Geschädigten gelang es jedoch, die Tasche festzuhalten, woraufhin der Angeklagte so kräftig an der Tasche zog, dass er die Geschädigte zu Fall brachte und einige Meter mitzog, bis er die Tasche dem Griff der Geschädigten schließlich entreißen konnte. Die Geschädigte erlitt dabei eine Hautabschürfung, eine Prellung am linken Knie sowie an der Hüfte. Der noch am Tattag in Untersuchungshaft genommene Angeklagte erklärte vor Gericht: "So was hab' ich noch nie gemacht. Ich stand unter Alkoholeinfluss. Was passiert ist kann ich mich nicht so genau erinnern. Ich habe drei kleine Kinder, die kleinste hat heute Geburtstag. Ich schäme mich, ich schäme mich so sehr. Ja, ich bin von Deggendorf nach München gefahren, um spazieren zu gehen. In Deggendorf war alles zu. Ich bin nach München gekommen, hab' eingekauft. Mein Kind wollte auch mitkommen aber meine Frau hat das Kind nicht mitgegeben. Sie hat Probleme mit dem Herzen. Auch die Tochter ist herzkrank." Im Rahmen seines letzten Wortes erklärte er: "Natürlich bin ich vorbestraft. Ich war unter Alkoholeinfluss. Ich habe drei kleine Kinder. Ich will sterben. Das letzte Mal, ich möchte Bewährung haben. Ich flehe sie an. Ich werde nicht mehr Alkohol trinken. Ich werde mich an alles halten, an alle Vorschriften. Geben sie mir die letzte Chance. Ich werde nie mehr was tun."

Raubüberfall ohne schwerere Verletzungen

Die 87jährige verwitwete Rentnerin erklärte in ihrer Zeugenaussage: "Der Täter ist offenbar hinter mir hergeschlichen, weil ich war beim Einkaufen und von da aus hat er mich offenbar verfolgt. Direkt beim Hauseingang hab' ich meinen Schlüssel gesucht, ich war abgelenkt. Auf einmal werde ich gepackt von rückwärts unter den Achseln und mir wurde meine Handtasche entrissen. Ich hab' die festgehalten und ich bin hingefallen. Dann bin ich gestürzt und zum Glück ist die Frau (N.N.) dazu gekommen. Die wollte gerade rausgehen und hat das mitgekriegt. Meine Tasche war weg. Frau (N.N.) hat mich aufgehoben. Ich bin auf das linke Knie gestürzt. Wenn sie nicht gekommen wäre, wäre ich liegen geblieben. Der hat richtig gezogen. Eine Prellung hab' ich gehabt. Es hat nicht lang weh getan, ein paar Stunden. Heute ist wieder alles ok. Nein, ich hab' Gott sei Dank keine Angst. Einen leichten Schock hab' ich gehabt, aber prinzipiell bin ich ziemlich stabil. Es hängt mir nicht nach."

Übertriebene, nicht glaubhafte Entschuldigung bei der Geschädigten

Nach Auffassung des AG ist eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren tat- und schuldangemessen. Hierbei war insbesondere zu Gunsten des Angeklagten dessen vollumfängliches Geständnis zu berücksichtigen sowie der Umstand, dass die geraubten Gegenstände der Geschädigten zurückgegeben werden konnten. Auch befindet sich der Angeklagte in dieser Sache seit drei Monaten in Untersuchungshaft. Strafmildernd war weiter zu werten, dass sich der Angeklagte bei der Geschädigten entschuldigt hat und Reue für sein Verhalten zeigte, auch wenn der Angeklagte diesbezüglich ein derartig übertriebenes Schauspiel ablieferte, dass das Gericht Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieser Darbietung nicht zu überwinden vermochte. Schließlich war auch zu Gunsten des Angeklagten zu berücksichtigen, dass er alkoholbedingt enthemmt gewesen ist, wenngleich die Schwelle des § 21 StGB nicht erreicht war. Zu Lasten des Angeklagten musste insbesondere gesehen werden, dass er strafrechtlich bereits erheblich und einschlägig in Erscheinung getreten ist."

Täter wiederholt Reuebekundung fast wortgleich

Der Angeklagte war wegen fünf Trickdiebstählen im Sommer 2018 schlussendlich zu einer Gesamtfreiheitstrafe von elf Monaten und wegen einer neuerlich versuchten Tat vom 30.5.2020 zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten verurteilt worden. Aus dieser Haft war er erst am 5.2.2021 entlassen worden. In den drei vorangegangenen Verhandlungen hatte er jeweils nahezu wortgleich seine Reue bekundet und Besserung gelobt. "Auch die Wiederholungsgeschwindigkeit seit der letzten Haftentlassung des Angeklagten ist beachtlich. Darüber hinaus hat der Angeklagte zwei Delikte tateinheitlich begangen. Strafschärfend war weiter zu werten, dass es sich bei dem Opfer um eine 87-jährige gebrechliche Dame handelt, die vom Angeklagten mit erheblicher Brutalität behandelt wurde. Es ist nur einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass es nicht zu schwereren Verletzungen kam. Es wäre für die auf die Unverbrüchlichkeit der Rechtsordnung vertrauende Bevölkerung schlechthin unverständlich, wenn auf einen "klassischen Straßenraub" zum Nachteil einer 87-jährigen gebrechlichen Dame nicht mit einer Vollzugsstrafe reagiert werden würde. Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung ist in ganz besonderem Maße bedroht, wenn ein Täter ein ihm unbekanntes Opfer auf offener Straße zu Boden reißt und beraubt."

Werbung

© kostenlose-urteile.de (ra-online GmbH), Berlin 30.06.2021
Quelle: Amtsgericht München, ra-online (pm/aw)

Aktuelle Urteile aus dem Strafrecht

Urteile sind im Original meist sehr umfangreich und kompliziert formuliert. Damit sie auch für Nichtjuristen verständlich werden, fasst kostenlose-urteile.de alle Entscheidungen auf die wesentlichen Kernaussagen zusammen. Wenn Sie den vollständigen Urteilstext benötigen, können Sie diesen beim jeweiligen Gericht anfordern.

Dokument-Nr.: 30470 Dokument-Nr. 30470

Wenn Sie einen Link auf diese Entscheidung setzen möchten, empfehlen wir Ihnen folgende Adresse zu verwenden: https://www.kostenlose-urteile.de/Urteil30470

Bitte beachten Sie, dass im Gegensatz zum Verlinken für das Kopieren einzelner Inhalte eine explizite Genehmigung der ra-online GmbH erforderlich ist.

Schicken Sie uns Ihr Urteil!Ihre Kanzlei hat interessante, wichtige oder kuriose Fälle vor Gericht verhandelt?
Senden Sie uns diese Entscheidungen doch einfach für kostenlose-urteile.de zu. Unsere Redaktion schaut gern, ob sich das Urteil für eine Veröffentlichung eignet.
BewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertung: 5 (max. 5)  -  1 Abstimmungsergebnis Bitte bewerten Sie diesen Artikel.0
 
Sie brauchen Hilfe vom Profi?

Kommentare (0)

 
 
Drucken


Wenn Sie einen Anwalt suchen, kann Ihnen unser Partnerportal, das Deutsche Anwaltsregister, sicher helfen:
einen Anwalt über das Deutsche Anwaltsregister suchenSie suchen einen Anwalt?
Das Deutsche Anwaltsregister hilft ...

kostenlose-urteile.de - kostenlos Urteile recherchieren, ohne Abo - kostenlos Urteile lesen, ohne Zeitbeschränkung

einige wichtige Links:Startseite | Datenschutzerklärung | Impressum | Kontakt | über uns

kostenlose-urteile.de ist ein Service der ra-online GmbH



Werbung