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Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, Urteil vom 22.02.2017
5 S 1044/15 -

Verbot zum Parken auf schmalen Straßen in Straßenverkehrs-Ordnung unwirksam

Norm zu unbestimmt und somit nicht wirksam

Der Verwaltungs­gerichts­hof hat entschieden, dass die Vorschrift des § 12 Abs. 3 Nr. 3 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), die das Parken "vor Grundstücksein- und -ausfahrten, auf schmalen Fahrbahnen auch ihnen gegenüber" verbietet, teilweise unwirksam ist. Aus der Vorschrift ist nicht hinreichend klar ersichtlich, was der Gesetzgeber mit dem Begriff der schmalen Fahrbahn meint. Die Norm ist daher zu unbestimmt und folglich unwirksam. Ein Anlieger kann ein Einschreiten der Straßen­verkehrs­behörde folglich nicht schon wegen Verstößen gegen dieses Verbot, sondern nur dann verlangen, wenn er durch parkende Autos auf der gegenüberliegenden Straßenseite gehindert oder in erheblichem Maße behindert werde, die Grundstücksein- und -ausfahrt zu benutzen.

Der Kläger des zugrunde liegenden Verfahrens ist Eigentümer eines mit einem Wohnhaus und einer Garage bebauten Grundstücks in einem Karlsruher Wohngebiet. Das Grundstück grenzt an eine Gemeindestraße mit einer 5,50 m breiten Fahrbahn und einem 1,15 m breiten Gehweg. Die Garage ist vor dem Wohnhaus und etwas tiefer als dieses errichtet, so dass ihre Ausfahrt zur Straße leicht ansteigt. Parken auf der Straßenseite gegenüber andere Autos, kann der Kläger sein Auto nur unter mehrmaligem Rangieren auf die Straße bzw. von der Straße in seine Garage fahren. Im September 2012 beantragte der Kläger bei der Stadt Karlsruhe (Beklagte), auf der Fahrbahn gegenüber seiner Grundstücksausfahrt das Parken durch Verkehrszeichen zu verbieten. Das Parken sei dort bereits nach § 12 Abs. 3 Nr. 3 StVO unzulässig, weil die Fahrbahn im Sinne dieser Vorschrift "schmal" sei. Seit einiger Zeit würden gegenüber seinem Grundstück Autos eng hintereinander und nicht mehr wie bisher auf dem Gehweg geparkt. Dadurch betrage der Abstand zu seiner Garagenausfahrt nur noch 3,40 m. Eine geradlinige Ausfahrt sei mit seinem 4,92 m langen Auto völlig unmöglich. Er könne jetzt fast nur noch unter Mithilfe einer weiteren Person mit mehrmaligem Rangieren risikolos auf die Straße fahren.

Antrag auf Verbot des Parkens durch Verkehrszeichen erfolglos

Die Beklagte lehnte den Antrag nach einem Fahrversuch mit dem Kläger ab. Es sei zwar grundsätzlich möglich, das gesetzliche Parkverbot nach § 12 Abs. 3 Nr. 3 StVO im Einzelfall durch Anordnung von Verkehrszeichen, etwa einer Grenzmarkierung (Zeichen 299 StVO) oder eines Haltverbots (Zeichen 286 StVO), zu konkretisieren. Die Fahrbahn der betreffenden Straße sei beim Grundstück des Klägers jedoch nicht im Sinne des gesetzlichen Parkverbots "schmal", weil die Ausfahrt von diesem Grundstück im Falle eines gegenüber parkenden Autos in vorsichtiger Fahrweise und bei frühzeitigem Einlenken mit maximal zweimaligem Vor- und Zurücksetzen möglich sei. Bei einer solchen Sachlage sei eine Fahrbahn nicht "schmal", wie verschiedene Gerichte entschieden hätten.

CG: Dreimaliges Rangieren mit dem Auto noch verkehrsadäquat

Gegen diese Entscheidung erhob der Kläger nach erfolglosem Widerspruch beim Verwaltungsgericht Karlsruhe Klage. Das Verwaltungsgericht nahm einen Augenschein ein, bei dem der Kläger demonstrierte, dass er mit seinem Auto erst nach dreimaligem Rangieren auf die Straße fahren könne. Das Verwaltungsgericht wies die Klage anschließend u.a. mit der Begründung ab, dass angesichts des heutigen Straßenverkehrs und des herrschenden Parkdrucks je nach den örtlichen Verkehrsverhältnissen auch ein dreimaliges Rangieren mit einem Auto heute üblicher Größe noch verkehrsadäquat sei.

Parkverbot nach § 12 Abs. 3 Nr. 3 StVO bereits mangels Bestimmtheit unwirksam

Der Verwaltungsgerichtshof wies die Berufung des Klägers gegen dieses Urteil zurück und führte zur Begründung im Wesentlichen aus, dass der Kläger keinen Anspruch darauf habe, dass die Beklagte über seinen Antrag auf Erlass einer verkehrsrechtlichen Anordnung erneut entscheide.

Ein solcher Anspruch folge entgegen der Ansicht des Klägers nicht schon daraus, dass auf der seiner Garagenausfahrt gegenüberliegenden Straßenseite ein gesetzliches Parkverbot nach § 12 Abs. 3 Nr. 3 StVO bestehe, das dem Schutz seines Anliegergrundstücks diene und regelmäßig missachtet werde. Denn das betreffende Parkverbot nach § 12 Abs. 3 Nr. 3 StVO sei mangels Bestimmtheit unwirksam. Der Begriff “schmal” genüge nicht den verfassungsrechtlichen Anforderungen an die Bestimmtheit von Normen. Es sei nicht möglich, den Begriff anhand anerkannter Auslegungsregeln zu konkretisieren. Verschiedene Oberlandes- und Oberverwaltungsgerichte hätten zwar als Maßstab eine maximal zulässige Zahl an Rangiervorgängen entwickelt, die für eine Ein- oder Ausfahrt im Einzelfall zumutbar seien. Die in der Rechtsprechung als zumutbar angesehene Anzahl der Rangiervorgänge variiere aber erheblich. Ungeachtet dessen sei dieses einzelfallbezogene Kriterium zur Konkretisierung des Begriffs "schmal" ohnehin untauglich. Denn der Adressat des bußgeldbewehrten Verbots, der Fahrer eines auf der gegenüberliegenden Seite einer Grundstücksein- und -ausfahrt geparkten Autos, könne selbst nicht hinreichend sicher ermitteln oder verlässlich einschätzen, wie viele Rangiervorgänge im jeweiligen Einzelfall nötig seien.

Höhere Anzahl von Rangiervorgängen beim Ein- und Ausfahren hat Kläger selbst zu vertreten

Der Kläger könne zwar auch unabhängig von der Gültigkeit des gesetzlichen Parkverbots nach § 12 Abs. 3 Nr. 3 StVO ein Einschreiten der Straßenverkehrsbehörde aus Gründen der Sicherheit oder Ordnung des Verkehrs verlangen, wenn er bei einem Parken von Autos auf der gegenüberliegenden Straßenseite daran gehindert oder in erheblichem Maße behindert würde, diese Garage zu benutzen. Diese Voraussetzungen seien hier aber bei Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles nicht erfüllt. Ein zu Lasten des Klägers gehender Gesichtspunkt sei insbesondere, dass er eine befestigte private Verkehrsfläche (Gehweg und Autostellplatz) neben der Garagenausfahrt auf seinem Grundstück höher als diese angelegt und mit Steinen begrenzt habe. Denn infolgedessen könne diese Fläche beim Herausfahren auf die Straße nicht mitbenutzt werden. Die dadurch bedingte höhere Anzahl von Rangiervorgängen habe der Kläger selbst zu vertreten und daher hinzunehmen. Denn es sei ihm zumutbar, die Garagenausfahrt insoweit zu verbreitern.

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© kostenlose-urteile.de (ra-online GmbH), Berlin 08.03.2017
Quelle: Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg/ra-online

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Kommentare (3)

 
 
H.-D. Vorthmann schrieb am 17.07.2017

Dieses Urteil ist in meinen Augen eine Farce. Wie in den meisten Gemeinden, werden die Sog. Gemeinde-Strassen meist zu 75% durch die Anlieger finanziert. Dadurch duerfte nwohl selbstverstaendlich sein, dass ein Anlieger gewisse Vorrechte gegenueber "fremden" Parkern hat. Ich setze voraus, dass ich dadurch, dass ich zahlender Anlieger bin , ein Vorrecht zum absolut problemlosen Ein- und Ausparken habe und durch andere Parker in keinster Weise behindert werden darf.

Das sollten Gerichte in Zukunft bei der Urteilsfindung viel mehr in den Vordergrund stellen.

K.Letsch schrieb am 09.03.2017

Das Urteil finde ich korrekt, denn der knappe Parkraum sollte auch effektiv genutzt werden.

Auf Grund der Länge des Fahrzeuges gehe ich davon aus, dass es sich bei dem Fahrzeug um einen großen Mercedes handelt. Und dieser hat garantiert och einen Heckantrieb.

Fahrzeuge mit Heckantrieb Haben ein sehr gutes Handling, das heißt man kann mit diesen Fahrzeugen sogar fast in rechten Winkel abbiegen, allerdings dies nur bei mäßiger Geschwindigkeit.

Wenn der Fahrer dieses Handling nicht schaftt, weil er vielleicht nicht die richtige Übersicht über das Fahrzeug hat, sollte er sich lieber einen Kleinwagen zulegen.

Ich erlebe es tagtäglich und man hat das Gefühl, daß viele Fahrzeugführer ihr Fahrzeug nicht beherrschen, und das Lenkrad nur zu Festhalten und nicht zum Drehen da ist.

Anders kann man die gefährliche Abbiege- oder Kurverschneiderei nicht deuten.

And

fruufus maximus schrieb am 09.03.2017

Eine Bestimmung als unwirksam zu erklären, weil sie den strittigen Abstand nicht quantifiziert, hat schon etwas willkürliches.

Bisher ging die Rechtssprechung von 2maligem Rangieren aus. Hier sollte ggf. bis vor das Bundesverwaltungsgericht geklagt werden, um hier allgemeine Rechtssicherheit zu erlangen.

Wenn die Städte die öffentlichen Parkflächen immer weiter reduzieren, dann darf das nicht zu Lasten der Anwohner gehen.

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