Hier beginnt die eigentliche Meldung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011
- 10 Sa 329/11 -
Bankangestellter darf geschäftlich erlangte Kontaktdaten einer Kundin nicht für private Flirt-SMS an Bankkundin nutzen
Missbrauch von Kontaktdaten rechtfertigt Abmahnung, aber keine außerordentliche Kündigung
Verschafft sich ein Bankangestellter Kundendaten und missbraucht diese für private Zwecke wie beispielsweise Flirt-SMS, so kann ihm deshalb nicht ohne vorherige Abmahnung gekündigt werden. Eine Abmahnung ist nur dann entbehrlich, wenn berechtigte Gefahr besteht, dass sich das Fehlverhalten in Zukunft wiederholen wird. Dies geht aus einer Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz hervor.
Ein Bankangestellter hatte sich die Kontaktdaten einer Kundin besorgt und ihr private SMS-Nachrichten geschrieben. Da sich die Frau durch dieses Verhalten belästigt gefühlt und bei dem Vorgesetzten des Mannes beschwert hatte, sprach der Arbeitgeber seinem Angestellten wegen missbräuchlicher Verwendung von Bankdaten für private Zwecke sowie ruf- und geschäftsschädigenden Verhaltens die Kündigung aus. Gleichzeitig bot der Arbeitgeber seinem Angestellten jedoch an, das Arbeitsverhältnis in der Funktion eines Beraters mit leicht geringerer Vergütung fortzusetzen. Der Mann nahm das Angebot unter Vorbehalt an, erhob jedoch Änderungsschutzklage mit der Begründung, die Änderung der Arbeitsbedingungen sei sozial ungerechtfertigt.
Flirtversuch im Beratungszimmer
Der Angestellte hatte die Frau zunächst an einer Tankstelle erblickt und vom Tankwart ihren Namen erhalten. Daraufhin brachte er in Erfahrung, dass sie auch Kundin seines Arbeitgebers war und besorgte sich aus den Bankdaten ihre Handynummer. Nachdem er ihr bereits mehrere SMS gesendet hatte, folgte der Angestellte der Frau sogar in das Beratungszimmer der Bank, als sie dort eigentlich einen Termin mit ihrem Kundenbetreuer wahrnehmen wollte, und sprach sie persönlich an.
Abmahnung nicht entbehrlich, da Arbeitgeber selbst keine Wiederholung des Fehlverhaltens erwartet
Werbung
Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz stellte fest, dass der Mann seine Pflichten als Angestellter verletzt habe, bestätigte aber gleichzeitig den Einwand, die erfolgte Kündigung sei sozial ungerechtfertigt im Sinne der §§ 2, 1 Abs. 2 KSchG. Vor Ausspruch der Änderungskündigung hätte der Arbeitgeber seinen Angestellten abmahnen müssen. Eine Abmahnung sei nicht entbehrlich gewesen, da der Arbeitgeber mit Ausspruch der Änderungskündigung selbst zu erkennen gegeben habe, dass er eine positive Änderung des Verhaltens des Angestellten in Zukunft für möglich halte. Zudem sei eine Änderungskündigung auch nicht besser geeignet als eine Abmahnung, ähnliches Fehlverhalten künftig auszuschließen, da der Mann als Berater weiterhin Zugriff auf Kundendaten habe.
© kostenlose-urteile.de (ra-online GmbH), Berlin 07.02.2012
Quelle: ra-online, Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz (vt/st)
- Arbeitsgericht Kaiserslautern, Urteil vom 10.05.2011
[Aktenzeichen: 4 Ca 125/11]
Urteile sind im Original meist sehr umfangreich und kompliziert formuliert. Damit sie auch für Nichtjuristen verständlich werden, fasst kostenlose-urteile.de alle Entscheidungen auf die wesentlichen Kernaussagen zusammen. Wenn Sie den vollständigen Urteilstext benötigen, können Sie diesen beim jeweiligen Gericht anfordern.
Wenn Sie einen Link auf diese Entscheidung setzen möchten, empfehlen wir Ihnen folgende Adresse zu verwenden: http://www.kostenlose-urteile.de/Urteil12933
Bitte beachten Sie, dass im Gegensatz zum Verlinken für das Kopieren einzelner Inhalte eine explizite Genehmigung der ra-online GmbH erforderlich ist.
Dokument-Nr. 12933
Aktuell diskutiert
Diskutieren Sie über diese Entscheidung »
Die neuesten Beiträge:
insgesamt 1 Beitrag zu dieser Entscheidung
07.02.2012, 01:00 Uhr von Redaktion »
Bankangestellter darf geschäftlich erlangte Kontaktdaten einer Kundin nicht ...
Verschafft sich ein Bankangestellter Kundendaten und missbraucht diese für private Zwecke wie beispielsweise Flirt-SMS, so kann ihm deshalb nicht ohne vorherige Abmahnung gekündigt werden. Eine Abmahnung ist nur dann entbehrlich, wenn berechtigte Gefahr besteht, dass sich das Fehlverhalten in Zukunft wiederholen wird. ...mehr »
Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit in unserem Forum! »
Dossiers
- Ärger: Ungewollte Rechnung von Astoria Finance für diegewerbeseiten.com - Branchenbuch für Region - erhalten?
- Dissertation: Wann ein Doktortitel wegen Täuschung aberkannt werden kann
- Müller Media beruft sich auf Urteil des AG Herford zugunsten eines anderen Branchenbuchanbieters
- Branchenbuch-deutschland.info -Warnung vor dem Branchenbuch Deutschland:bbd Branchenbuch Deutschland GmbH übernimmt Verträge von J. Kerler Verlag GmbH
- Abmahnung von Waldorf Frommer Rechtsanwälte - Ghost Rider Spirit of Vengeance 3 D - Universum Film GmbH
- Lärmbelästigung durch Nachbarn, Geschäfte und Kirchenglocken
- Mietmängel nicht in Kauf nehmen - Zum Recht auf Mietminderung
- OLG Düsseldorf verurteilt Gewerbeauskunft-Zentrale - Was bedeutet das Urteil für die Kunden?
- Mietminderung bei Wasserschaden: Um wie viel darf die Miete gemindert werden?
- DeMa Debitoren Management GmbH & Co. KG verschickt Rechnungen für branchenauskunft-24.com
Werbung

