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Finanzgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 22.04.2016
13 K 1934/15 -

Übermittlung erforderlicher Besteuerungs­grundlagen an gesetzliche Krankenkasse zulässig

Finanzamt ist zur Weitergabe beitragsrelevanter Daten berechtigt und verpflichtet

Das Finanzamt ist berechtigt und verpflichtet, einer gesetzlichen Krankenversicherung auf deren Antrag die für eine Beitragsbemessung freiwillig versicherter Mitglieder erforderlichen Besteuerungs­grundlagen bis einschließlich Veranlagungs­zeitraum 2014 mitzuteilen. Hierzu gehören auch die Einkünfte des Ehepartners, der kein Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung ist. Dies geht aus einer Entscheidung des Finanzgerichts Baden-Württemberg hervor.

Dem Fall lag folgender Sachverhalt zugrunde: Die Klägerin ist nicht in einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert. Ihr Ehemann ist freiwillig in einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert. Die Krankenkasse des Ehemannes hatte diesen erfolglos aufgefordert, zur Beitragsbemessung das Einkommen seiner Ehefrau mitzuteilen. Daher forderte die Krankenkasse das beklagte Finanzamt auf, ihr die Einkünfte der Eheleute auf einem Vordruck mitzuteilen.

Klägerin verlangt Unterlassung der Weitergabe ihrer Daten

Das beklagte Finanzamt gab Auskunft für die Veranlagungszeiträume 2011 und 2012. Für 2013 lagen ihm keine Daten vor. Die Klägerin wandte sich gegen die Weitergabe der Daten, forderte das beklagte Finanzamt auf, künftig keine Daten mehr zu übermitteln und bat um Bestätigung. Dies lehnte das Finanzamt ab, die Weitergabe von Daten zur Beitragsfestsetzung sei erforderlich und gesetzlich zulässig.

Ermächtigungsgrundlage für Einbeziehung der Einkünfte der Klägerin in Bemessungsgrundlage für Beiträge des Ehemanns verfassungsgemäß

Das Finanzgericht Baden-Württemberg entschied, dass die Klage als vorbeugende Unterlassungsklage als Unterfall der Leistungsklage zulässig sei, da die begehrte Unterlassung der Datenübermittlung an die gesetzliche Krankenversicherung als Vorgang im Wege der Amtshilfe zwischen zwei Behörden kein mit Einspruch anfechtbarer Verwaltungsakt sei. Die Klage sei aber nur bezüglich einer Datenübermittlung für Veranlagungszeiträume ab 2015 begründet. Die Finanzbehörde sei für Veranlagungszeiträume bis einschließlich 2014 nach § 31 Abs. 2 Abgabenordnung berechtigt und verpflichtet, den Trägern der gesetzlichen Sozialversicherung alle relevanten Daten des Betroffenen mitzuteilen, die für die Beitragsfestsetzung von Bedeutung seien. Betroffene seien auch dritte Personen, wie die Klägerin, da deren Daten für die Beitragsfestsetzung relevant seien. Nach sozialrechtlichen Vorschriften setzten sich die beitragspflichtigen Einnahmen von Mitgliedern, deren Ehegatte keiner gesetzlichen Krankenkasse angehöre, aus den eigenen Einnahmen und denen des Ehegatten zusammen. Die sozialgesetzliche Ermächtigungsgrundlage für die Einbeziehung der Einkünfte der Klägerin in die Bemessungsgrundlage für die Beiträge des Ehemanns sei verfassungsgemäß. Nach § 240 Abs. 1 S. 2 Sozialgesetzbuch VI richte sich die Beitragsbelastung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Mitglieds. Bei verheirateten Mitgliedern erhöhe sich aufgrund familienrechtlicher Ansprüche die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Mitglieds.

Mitteilung des Finanzamts ab Veranlagungszeitraum 2015 für Beitragsbemessung nicht mehr erforderlich

Mit Wirkung zum 1. August 2014 sei ein neuer zweiter Halbsatz angefügt worden. Danach könne die gesetzliche Krankenversicherung für einen freiwillig Versicherten den Höchstbeitrag festsetzen, sofern das Mitglied trotz Verlangen keine beitragspflichtigen Einnahmen belege. Eine Mitteilung des Finanzamts sei damit ab Veranlagungszeitraum 2015 für die Beitragsbemessung nicht mehr erforderlich.

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© kostenlose-urteile.de (ra-online GmbH), Berlin 18.07.2016
Quelle: Finanzgericht Baden-Württemberg/ra-online

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Kommentare (1)

 
 
Dietlinde Eder-Lehfeldt schrieb am 16.08.2016

Das Problem liegt hier woanders Die Krankenkassen verlangen den gesamten Steuerbescheid, das ist weder notwendig für die Beitragsbemessung , noch rechtlich haltbar: aus Datenschutzgründen darf nur das zu versteuernde Einkommen als eine Zahl bei selbständigen und freiwilligen Mitgliedern vom Finanzamt herausgegeben werden. Hält sich ein Finanzamt nicht daran, liegt eine Datenschutzverletzung vor. Den Steuerbescheid oder Teile davon benötigt die Krankenkasse nicht. Sinnvoll wäre ein automatisch von der Finanzbehörde zur Steuererklärung beigelegter Beleg mit genau dieser Zahl.

Wegen der Datenschutzverletzung sind darüber hinausgehende Angaben unverwertbar - durch Straftat erworben.

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